Carsten stellt sich vor

Hallo, mein Name ist Carsten, ich bin 20 Jahre alt und mache seit Juli 2018 meine Ausbildung auf dem Gärtnerhof. Im folgenden möchte ich erläutern, was mich zu der Ausbildung bewegt hat und warum ich sie hier auf dem Gärtnerhof mache.

Aufgewachsen bin ich in der Nähe von Winsen/Luhe. Ich habe seit meiner Kindheit den Großteil meiner Freizeit in der Landwirtschaft verbracht. Ich habe dabei sowohl die konventionelle -, als auch die biologische Landwirtschaft sehr intensiv kennenlernen können. Durch mein Eltern war biologisches Essen aber immer präsent und ich habe die Notwendigkeit einer biologischen Lebensweise nie in Frage gestellt. Auf dem Hof, wo ich als Kind immer hingehen konnte hatte ich das große Glück, einen großen Garten bewirtschaften zu dürfen. Mir hat es schon immer sehr viel Spaß gemacht, Pflanzen in ihrer Entwicklung zu beobachten und zu sehen, wie das Gemüse durch die eigene Arbeit gedeiht. Als die Schule dann anzog und ich auf einem Demeterhof arbeiten wollte, musste ich den Garten dann leider aufgeben, und für mich war dieses Thema dann erst einmal nicht mehr präsent. Zunächst wollte ich dann auch nicht Gärtner werden, da mich der geringe Verdienst bei harter Arbeit abgeschreckt hat. Allerdings hatte ich später die Möglichkeit, ein Praktikum in einem biologischen Gemüsebaubetrieb zu machen. Hier habe ich danach über drei Jahre Ferienjobs gemacht und dabei langsam gemerkt, dass dieser Beruf für mich das ist, was mir Freude macht. Ich wollte mir dann aber auch noch einen anderen Betrieb anschauen und bin dann auf den Gärtnerhof gekommen. Hier konnte ich im Sommer 2017 ein Schulpraktikum machen. Nach dem Praktikum habe ich mich dann endgültig für diesen Beruf entschieden, vor allem auch, weil der Gärtnerhof für mich eine ganz neue Erfahrung war. Von Anfang an waren mir die Menschen, die hier leben, sehr sympathisch und ich habe gemerkt, das ich hier in Bezug auf meine Interessen sehr gut aufgehoben bin. Ich habe für mich auch gelernt, dass es nicht immer darum geht, möglichst viel Geld zu verdienen, um ein gutes Leben führen zu können. Für mich ist es eher wichtig, dass mich meine Arbeit erfüllt und ich mit Freude und Überzeugung daran gehen kann.

Mir geht es neben der reinen Ausbildung zum Gemüsegärtner auch darum, zu sehen, dass eine Anbauweise abseits von grenzenlosem Wachstum und Ausbeutung der Böden möglich ist. Ich sehe die Zukunft nicht darin, Gemüse in Nährlösungen oder Hydrokulturen anzubauen, wenn die Böden ausgelaugt sind und nichts mehr hergeben können. Der Boden enthält so viele Lebewesen und ökologische Wechselbeziehungen, die eine reine Nährstoffversorgung der Pflanzen niemals ersetzen kann, ganz zu schweigen von dem gesundheitlichen und geschmacklichen Wert des Gemüses.

Hier auf dem Gärtnerhof lerne ich alles, was zum ganzheitlichen Gemüseanbau dazugehört. Dazu gehört vor allem die Jungpflanzenanzucht und die direkte Vermarktung. Ich kann also das Gemüse vom Samenkorn bis zum Verkauf auf dem Markt verfolgen. Darüber hinaus lerne ich auch einiges zur praktischen Saatgutvermehrung. Der Verkauf auf dem Wochenmarkt in Lüneburg macht mir besonders viel Spaß, da ich hier genau beobachten kann, welches Gemüse gerade gefragt ist und welches vielleicht auch gerade nicht. Ich halte den direkten Kontakt zwischen Erzeuger und Verbraucher für sehr wichtig, da einerseits der Verbraucher erfahren kann, wie das Gemüse angebaut wurde und andererseits der Erzeuger mehr auf die Wünsche der Verbraucher eingehen kann.

Leider lerne ich in der Schule darüber kaum etwas. Überhaupt bin ich der Meinung, dass sich der Beruf Gärtner immer weiter von der Natur entfernt. Im Grunde geht es immer darum, in kürzester Zeit günstig und möglichst viel zu produzieren. Dabei muss das Wohl der Natur und letztendlich auch das der Menschen immer weiter zurückstehen. Auch über Saatgutvermehrung, Saatgutrechte oder Jungpflanzenanzucht lernen wir in der Schule so gut wie gar nichts. Es geht immer nur um die reine Produktion, die letztendlich abhängig macht von großen Saatgut- und Chemiekonzernen. Es gibt leider auch keine kritische Auseinandersetzung über Gentechnik oder die Gefahr von Abhängigkeiten von großen Konzernen. Kritisch sehe ich auch den „Spezialisierungswahn“, der immer mehr Höfe dazu bringt, sich auf wenige und dafür größere Standbeine zu stellen. Damit diese nicht einbrechen sind aber leider immer häufiger Methoden nötig, die der Umwelt schaden (Kunstdünger, Ackergifte, Monokulturen), da der Betrieb sonst um seine Existenz bangen muss.

Ich bin dankbar, dass ich hier auf dem Gärtnerhof immer wieder das Gegenteil sehen kann und hoffe sehr, dass die Verbraucher in Zukunft mehr auf kleinbäuerliche und vor allem ökologische Landwirtschaft setzen und die Erzeuger möglichst direkt unterstützen, anstatt den Umweg über billige Discounter zu gehen.

Langfristig habe ich vor, einen eigenen Gemüsebetrieb zu führen und hoffe, dass bis dahin die Nachfrage nach biologisch erzeugten Lebensmitteln weiter ansteigt.

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